Friseur-Preiskalkulation: So berechnest du deinen Stundenlohn richtig
- dianebretschneider
- 16. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen

Business Serie | 002
Selbstständigkeit im Friseurhandwerk bedeutet Freiheit: eigene Kund:innen, eigener Stil, eigene Entscheidungen. Doch mit der Freiheit kommt auch Verantwortung – und eine der wichtigsten unternehmerischen Fragen wird erstaunlich oft nach Bauchgefühl beantwortet: Was verlange ich eigentlich für meine Arbeit?
Genau darüber sprechen wir bei NICNOA immer wieder mit unseren Co-Worker:innen. Viele starten mit Preisen, die sie einfach von der Konkurrenz übernommen oder grobgeschätzt haben. Das Problem dabei: Wer seine Preise nicht sauber kalkuliert, weiß am Ende des Monats nicht, ob er tatsächlich Gewinn macht – oder nur beschäftigt war.
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Methode ist die Preiskalkulation kein Buchhaltungs-Albtraum, sondern eine klare Rechnung, die du einmal aufstellst und danach nur noch anpasst.
Warum „Preise nach Gefühl" gefährlich ist
Zwei Muster begegnen uns bei Co-Worker:innen immer wieder:
Konkurrenzorientierte Preise.
Du schaust, was der Salon nebenan verlangt, und richtest dich grob danach. Das Risiko: Du kennst die Kostenstruktur der Konkurrenz nicht – und läufst Gefahr, dich unter Wert zu verkaufen.
Preise nach Zahlungsbereitschaft.
Du orientierst dich daran, was Kund:innen in deiner Lage bereit sind zu zahlen. Das kann funktionieren, setzt aber ein klares Profil, hohe Qualität und oft auch Investitionen in Ambiente und Außenwirkung voraus.
Beide Ansätze haben ihre Berechtigung – aber nur, wenn du vorher weißt, was du selbst mindestens verdienen musst, um wirtschaftlich zu arbeiten. Und genau das verrät dir nur eine saubere Kalkulation.
Die Grundlage: Du verkaufst Zeit
Im Friseurhandwerk ist die wichtigste Ressource nicht Shampoo oder Farbe, sondern Zeit. Deshalb ist der zentrale Baustein jeder Preiskalkulation der sogenannte Stunden- oder Minutensatz: der Betrag, den du pro Stunde Arbeitszeit erwirtschaften musst.
Der häufigste Denkfehler dabei: eine 8-Stunden-Anwesenheit im Salon bedeutet nicht 8 Stunden bezahlte Kundenzeit. Termine planen, Beratung, Aufräumen, Reinigung, Pausen, Verwaltung – all das ist notwendige, aber unproduktive Zeit. In der Praxis liegt die tatsächlich abrechenbare Kundenzeit oft nur bei rund 60–70 % der Anwesenheitszeit. Wer diesen Puffer nicht einrechnet, kalkuliert sich arm.
Schritt für Schritt zum eigenen Stundensatz
1. Alle Kosten zusammentragen
Dazu zählen bei dir als selbstständige:r Friseur:in unter anderem:
Stuhlmiete bzw. Miete für deinen Arbeitsplatz
Materialkosten (Farbe, Pflegeprodukte, Verbrauchsmaterial)
Versicherungen und Kammerbeiträge
Fortbildungen
Steuerberatung und Buchhaltung
Rücklagen für Urlaub, Krankheit und schwächere Monate – als Selbstständige:r gibt es kein Krankengeld und keinen bezahlten Urlaub, diesen Puffer musst du selbst einpreisen
Deine private Altersvorsorge
2. Deine gewünschte Privatentnahme festlegen
Was möchtest du monatlich netto zur Verfügung haben, um deine privaten Ausgaben zu decken? Diese Summe gehört genauso in die Rechnung wie jede andere Kostenposition – sie ist dein Lohn.
3. Realistische produktive Arbeitsstunden ermitteln
Rechne dir aus, wie viele Stunden im Jahr du tatsächlich am Kunden arbeitest – nach Abzug von Urlaub, Feiertagen, Krankheitstagen, Verwaltungsaufwand und realistischer Auslastung (siehe oben: meist 60–70 %, nicht 100 %).
4. Stundensatz berechnen
Die Formel dahinter ist simpel:
(Alle Kosten + gewünschte Privatentnahme) ÷ produktive Arbeitsstunden im Jahr = dein Stundensatz
5. Vom Stundensatz zum Preis pro Dienstleistung
Für jede Leistung multiplizierst du deinen Minutensatz mit der benötigten Zeit, addierst die konkreten Materialkosten dazu und schlägst deinen Gewinnaufschlag sowie die Umsatzsteuer (falls zutreffend) auf. So bekommst du für jeden einzelnen Service – Waschen, Schneiden, Farbe, Styling – einen Preis, der wirklich alle Kosten trägt.
Die häufigsten Fehler bei der Preiskalkulation
❌ Die Auslastung wird mit 100 % statt realistisch mit 60–70 % angesetzt.
❌ Rücklagen für Urlaub, Krankheit und Altersvorsorge fehlen komplett in der Rechnung.
❌ Materialkosten werden nur pauschal geschätzt statt sauber erfasst.
❌ Die eigene Privatentnahme wird „nach dem, was übrig bleibt" berechnet statt fest eingeplant.
❌ Preise werden einmal festgelegt und nie wieder an steigende Kosten angepasst.
Ein Preis, der nur die Konkurrenz im Blick hat, aber deine eigenen Kosten ignoriert, ist auf Dauer keine tragfähige Grundlage für deine Selbstständigkeit.
Praxisbeispiel
Nehmen wir an, deine monatlichen Kosten (Stuhlmiete, Material, Versicherung, Rücklagen) plus deine gewünschte Privatentnahme summieren sich auf 3.200 €. Bei realistisch kalkulierten 100 produktiven Stunden im Monat ergibt sich:
3.200 € ÷ 100 Stunden = 32 € Stundensatz
Für einen Damenhaarschnitt mit Waschen und Föhnen, der 45 Minuten dauert, wären das rund 24 € reine Zeitkosten – zuzüglich Material und Gewinnaufschlag. Erst mit dieser Rechnung siehst du schwarz auf weiß, ob dein aktueller Preis überhaupt kostendeckend ist.
Deine eigene Kalkulation im Blick behalten
Du musst diese Rechnung nicht händisch mit Zettel und Taschenrechner machen. Auf https://www.nicnoa.com/preiskalkulation findest du unseren Profitrechner, mit dem du deine Kosten und dein Einkommenspotenzial als Co-Worker:in bei NICNOA unkompliziert gegenüberstellen kannst.
Fazit
Deine Preise sind kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer klaren Rechnung aus Kosten, Zeit und deinem Anspruch an dein eigenes Einkommen. Wer diese Kalkulation einmal sauber aufstellt, muss Preisgespräche mit Kund:innen nicht mehr fürchten – und weiß am Monatsende genau, warum die Kasse stimmt.
Wir bei NICNOA erleben täglich: Erfolgreiche Selbstständigkeit besteht aus einem starken Handwerk und einem betriebswirtschaftlich klugen Kopf. Deshalb teilen wir nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch das Wissen, das dich langfristig trägt.



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